Gutachten

Heiko Bostelmann gab beim Institut für Slavistik der Universität Leipzig ein Gutachten zur Namensherkunft in Auftrag:
Familiennamen haben sich in einem langen Entwicklungsprozess seit dem 12./13. Jahrhundert herausgebildet. Vorher trugen die Menschen in der Regel nur einen Ruf- bzw. Taufnamen. Die Entwicklung der Städte, zunehmender Handel und schriftliche Verwaltung machten die Erfassung der Bürger in Bürgerbüchern, Steuerlisten u.ä. erforderlich. Dies war mit Problemen verbunden, da einzelne Rufnamen sehr beliebt und somit auch häufig vergeben wurden. So trugen z.B. im Mittelalter in bestimmten Regionen bis zu 80% der männlichen Bevölkerung den NamenJohann(es) oder seine Kurzform Hans. Eine weitere Unterscheidung der Menschen über den Rufnamen hinaus wurde also dringend erforderlich: ein zweiter Name. Bei der Entstehung dieser so genannten Beinamen spielten unterschiedliche Motivationen eine Rolle: der Name des Vaters, der Beruf die Herkunft, die Lage des Hauses innerhalb der Siedlung oder eine äußerliche bzw. charakterliche Auffälligkeit. Heute unterscheidet man zwischen Familiennamen aus Rufnamen, aus Berufsnamen, Herkunfts- und Wohnstättenbezeichnungen und aus Übernamen (Spitz- oder Spottnamen). Solche Beinamen, die ursprünglich nur einer Person gegeben wurden, konnten dann auch an die nächst folgenden Generationen weitergegeben werden und sich somit im Laufe der Zeit zu Familiennamen verfestigen. Dabei haben sich die Bei- bzw. Familiennamen über die Generationen hinweg teilweise sehr stark in ihrer Aussprache und Schreibung verändert, so dass eine Deutung bei vielen Familiennamen heute oft nicht einfach bzw. eindeutig ist.

Unter 40 Mio. Telefonteilnehmern findet sich der Name Bostelmann 426 mal (Telefonbuch CD-Rom der Telekom, Stand 1998). Die durchschnittliche Verbreitung eines Familiennamens liegt bei etwa 404-500 Telefonteilnehmern. Schauen wir uns die Verbreitung des Namens Bostelmann auf der Karte an, dann können wir ein deutliches Zentrum in Norddeutschland, genauer um Hamburg, Hannover und Bremen erkennen.

Die Autoren der bekannten Personennamenlexika sind sich bei dem Namen Bostelmann einig.
Bei diesem Namen handelt es sich um einen so genannten Herkunftsnamen. Familiennamen haben sich in einer Zeit starker Binnenwanderungen herausgebildet – der Handel nahm zu, die Städte blühten auf_ Die neu in eine Stadt gezogenen Menschen wurden gern nach der Herkunft benannt. Dabei wurde dem Rufnamen der Person einfach der Ortsname (z. B.Johannes von Kölln > Johannes Kölln) angefügt oder der Ortsname zusätzlich mit einer Endung versehen. Das war in den meisten Fällen die Endung -er (z. B. Johannes der Köllner > Johannes Köllner), vor allem im Nordwesten Deutschlands ist aber die Endung -mann als Ausdruck der Zugehörigkeit einer Person zu einem Ort ebenso produktiv. Bei Bostelmann handelt es sich um einen solchen nordwestdeutschen Herkunftsnamen auf -mann. Aus welchem Ort also kamen die Vorfahren?

Fest steht, dass der Name als Variante des Familiennamens Borstelmann betrachtet werden muss. Die Verbindung zwischen beiden ergibt sich dadurch, dass im mündlichen Gebrauch der Name Borstelmann zu Bostelmann verschliffen wird. Der Grund dafür ist die vokalische Aussprache des -r- in dieser Position. Wie auch im heutigen Deutschen hören wir in den Wörtern Ohr oderUhr kein Reibegeräusch. Kennen wir kein Schriftbild, so entsteht leicht der Höreindruck von „Oh“ oder „Oha“ bzw. „Uh“ oder „Uha“. Das -r- ist also in dieser Position recht instabil und kann somit leicht fallen. Diese Abschleifung kann bis zu dem Familiennamen Bosselmann führen.
Leider gibt es in Nordwestdeutschland etwa 20 Orte des Namens Borstel, vereinzelt auch umgebildet zu Burgstall, und auch einen Ortsnamen Bostel, so dass eine klare Zuordnung des Namens zu einem der vielen Orte nur Spekulation wäre. Was bedeutet aber dieses Borstel?

Das Namenelement -borstel gehört zu den produktivsten in ganz Nordwestdeutschland. Es handelt sich dabei um eine Zusammensetzung aus altsächsisch (= die norddeutsche Sprache vor 1100) bur „Haus, Wohnstätte, Ansiedlung, Gemeinde“ und altsächsisch stal „Ort, Stelle“. Es handelt sich also um das nahe liegendste Element, um Siedlungen zu benennen. In dieser Hinsicht kann ich auf den Ort Fallingbostel verweisen. Älteste urkundliche Formen vonFallingbostel lauten 990 Vastulingeburstalle, 1160 Vasteldingaburstolde (E. Förstemann. Altdeutsches Namenbuch. Bd. 2. Die deutschen Ortsnamen. I, Sp. 855; J. Udolph, Ortsnamen Land und Stadt Hannover. S. 38). Hier wird-borstel durch den Personennamen Fast (zu althochdeutsch fasti „fest“) näher bestimmt und kann als „Wohnplatz der Leute des Fast“ erklärt werden. Bei Orten, die mit dem Namenelement-borstel gebildet wurden, handelt es sich durchweg um jüngere, das heißt nachkarolingische Ortsnamen. Meist sind die -borstel-Orte auf Boden zweiter Wahl gegründet, so dass viele dieser Siedlungen im Mittelalter wegen schlechter Lebensbedingungen von ihren Bewohnern verlassen wurden und heute als Orte nicht mehr existieren, so dass sich die Zahl der Ortsnamen, die diesem Namen zugrunde liegen könnten, zusätzlich erhöht.

Als älteste urkundliche Formen des Namens kennen wir: 1450 Werneke Bostelman (in Stelle), 1651 Heinrich Böstelmann (in Braunschweig), 1689 Hans Bostellman (in Wilkenburg) (Zoder, Familienamen in Ostfalen. Hildesheim: Olms. 1968. Bd. 1. S. 281).

Zusammenfassend ist der Name Bostelmann also als verschliffene Form des Familiennamens Borstelmann zu betrachten. Es handelt sich um einen Herkunftsnamen zu einem der vielen Ortsnamen, die auf Borstel zurückgehen und auch im Mittelalter so hießen. Heute trat bei einigen dieser Ortsnamen eine Verwaschung der Laute ein. Der Name ist als „der aus Borstel (umgangssprachlich Bostel)“ zu deuten.